
Wirtschaft aktuell
Die Sache mit dem Öl
Donald Trump verkündete nach der militärischen Intervention in Caracas, die mit der Entführung des Diktators Nicolás Maduro endete, vollmündig von $ 100 Mrd. Investitionssumme in die marode Ölindustrie Venezuelas amerikanischer Konzerne. Doch darauf scheint wenig hinzudeuten.
Zum Wochenstart: Die Sache mit dem Öl
Irgendwie hatte sich das Donald Trump wohl anders vorgestellt, als er letzte Woche die wichtigsten Vertreter der US Ölmultis ins Weiße Haus lud, um sagenhafte Investitionen in den Wiederaufbau der daniederliegenden Ölbranche in Venezuela zu vereinbaren. Schon kurz nach der militärischen Überrumpelungsaktion am 3. Januar diesen Jahres (ja, es ist erst zwei Wochen her!), als eine Spezialeinheit der Navy Seals den venezolanischen Diktator Nicolàs Maduro direkt aus Caracas entführte, um ihn in New York wegen Drogenhandels vor Gericht zu stellen, erklärte Trump vollwundig, dass er nun amerikanische Ölfirmen ins Land schicken werde, um die Ölinfrastruktur zu reparieren und richtig Geld zu verdienen.

Ausgerechnet Darren Woods, der Chef des größten Konzerns ExxonMobil konfrontierte Trump mit der Aussage, dass unter den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen eine Investition in Venezuela nahezu als ausgeschlossen gilt. https://2cm.es/1n1jY
Die Aussage überraschte nur auf den ersten Blick, denn auch wenn Venezuela mit geschätzen 300 Mrd. Barrel die weltweit größten Reserven (noch vor Saudi-Arabien) aufweist, ist eine gewinnbringende Förderung ein anderes Thema. Bis zu 90% der Vorkommen befinden sich im sogenannten Orinoco-Becken, dass in etwa die Größe Kroatiens aufweist. Nur zwischen 250 und 1200 Meter unter der Erdoberfläche liegt dieser Erdölgürtel. Doch das Schwer- und Schwerstöl ist zähflüssig und hat einen hohen Schwefel- und Metallgehalt. Anders als das leicht zu fördernde amerikanische Fracking-Öl ist seine Gewinnung aufwendig und deshalb teuer. https://2cm.es/1i2nN
Erdölfelder in Venezuela sieh Geo laut Hyperlink.
Der Preis ist also (nicht ganz verwunderlich) ausschlaggebend, um eine Investition zu rechtfertigen. Dieser befindet sich aktuell mit $58,46 rund 50% unter den $125, die noch Anfang 2022 für ein Barrel WTI gezahlt wurden und ebenfalls unter den sagenumwobenen $60, die allgemein als Grenzwert für eine rendable Förderung angesehen werden (aktulle Kurse unter https://2cm.es/1i2oz). Dazu kommt, dass eigentlich schon jetzt ein Überangebot am Weltmarkt für Öl herrscht und nicht nur Saudi-Arabien könnte auf Knopfdruck die tägliche Förderung um mindestens 15% erhöhen, falls die OPEC sich dazu entschließen würde. Eher unwahrscheinlich wie die aktuellen Zahlen zeigen. https://2cm.es/1n1qz

Auch nicht ganz ohne Einfluss dürften die Erfahrungen aus der Vergangenheit sein, denn die Geschichte der Engagements in Venezuela ist voller finanzieller Niederlagen und Rückschläge. In den 1930er Jahren wurde Venezuela noch durch 3 große ausländische Ölkonzerne Standard Oil (ExxonMobil), Royal Dutch Shell (Shell) und Gulf Oil (Chevron) dominiert, die die riesigen Erdölvorkommen im Bundesstaat Zulia erschlossen und Venezuela zum größten Ölexporteur der Welt machten, wobei die Einnahmen weitgehend in ausländischer Hand blieben und äußerst ertragreich waren. 1943 unterzeichnete der Präsident Isaias Medina Angarita schließlich das Gesetz, dass ausländische Konzerne dazu verpflichtete, die Hälfte der Gewinne an den Staat Venezuela abzuführen.
1976 wurde unter Carlos Andrés Perez die staatliche Petroleos de Venezuela S.A (PDVSA besteht noch heute) gegründet, dem globalen Trend vieler Erdölstaaten folgend, ihre natürlichen Ressourcen unter nationale Kontrolle zu stellen. 2007 sorgte schließlich Hugo Chávez mit einer Zwangsverordnung dafür, dass alle ausländischen Konzerne ihre Anteile in ein Joint Venture mit der PDVSA einbringen mussten und fortan nur noch als Juniorpartner im Land aktiv sein durften. Es wurden zwar Entschädigungen viele Jahre später teilweise durchgesetzt, aber alles in allem dürfte wohl keiner der großen Player seine Investitionen über die Jahre wiedergesehen haben. https://2cm.es/1n1sp
Was ein erratischer Präsident Trump von Natur aus nicht verstehen dürfte, ist darüber hinaus der zeitliche Rahmen, indem ein Wiederaufbau der völlig maroden Infrastruktur - bei völllig ungewissem politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - stattfinden könnte. Wenigstens 4-6 Jahre würde eine Ausweitung der Förderung auf die bis 2013 üblichen 3,5 Mio Barrel am Tag in Anspruch nehmen und das in einem Gebiet, dass von korrupten Strukturen und kriminellen Banden nur so wimmelt, die sich seit Jahrzehnten ein erträgliches Einkommen durch die Öleinnahmen am Staate vorbei verdient haben. https://2cm.es/1n1Dl

Als letztes Sahnehäubchen sei noch erwähnt, dass Venezuela einen enormen Schuldenberg von Schätzungen zufolge 150 bis 170 Milliarden US-Dollar angehäuft hat, wobei rund 60 Milliarden auf ausgefallene Anleihen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA entfallen, die seit 2017 nicht bedient wurden. Die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird für 2024 auf über 164 % geschätzt, was das Land zu den höchstverschuldeten der Welt zählt. Dieser Trend dürfte 2025 kaum umgekehrt worden sein.
Laut statista.com beträgt der aktuelle Schuldenstand im Verhältnis zum BIP 2024 bereits 168% Tendenz steigend
Überall Verlierer also, wohin man auch blickt. Es sei denn, man blickt Richtung Paul Singer und seinen legendären Hedgefonds Elliott Management, der über die Jahre ein mehr als einträgliches Geschäft damit gemacht hat, Staatsschulden und Schulden von Unternehmen im Staatsbesitz zu übernehmen (ja richtig etwa von Petroleas de Venezuela), die alle anderen Gläubier längst abgeschrieben haben und nur zu gern mit Abschlägen von bis zu 50% und mehr zum einzigen Nennwert an Singers "Vulture Fund" abtreten und dieser dann jahrelang juristisch mit allen Mitteln und oft mit Erfolg wieder eintreibt. https://www.jubileeusa.org/peru
Im aktuellen Fall hat Elliott Management letzten Herbst nun den Zugriff auf CITGO erhalten, ein Unternehmen, das Raffinerien, Terminals und Tankstellen in den USA unterhält und ausständige Anleihen von PDVSA besicherte. Nicht ganz unwesentlich dürfte auch sein, dass gerade CITGOs Raffinerien darauf ausgelegt sind, das schwere Orinoco Erdöl aus Venezuela zu verarbeiten. Aufgrund des US-Embargos musste Öl aus teureren Quellen importiert werden, so dass eine neuzugelassene Förderung aus Venezuela sicher mehr als willkommen sein dürfte. https://2cm.es/1i2x0
Dass Paul Singer seit jüngstens ein Großspender für Trump ist, dürfte wohl daher auch nicht ganz uneigennützig sein. Dass Donald Trump wiederum einzig in solch verknappten Bahnen denkt, mag man sich ja trotz unzählicher Hinweise fast gar nicht vorstellen. Wohl eher lässt in diesem Zusammenhang aufhorchen, dass die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado ihre Nobelpreismedaille nach eigenen Angaben US-Präsident Donald Trump überreicht hat. Damit habe sie ihre "Anerkennung für sein einzigartiges Engagement für unsere Freiheit" zum Ausdruck bringen wollen, sagte sie nach einem Treffen mit Trump im Weißen Haus. Der Präsident bedankte sich auf seiner Plattform Truth Social für eine "wundervolle Geste gegenseitigen Respekts".
Ihm dürfte geschwant haben, dass er trotz seiner einzigartigen Bemühungen um den Weltfrieden beim Nobelkomitee mit der neuen Zollkeule gegen Schweden und andere EU Länder erst einmal keine Chance hat, die Medaille offiziell überreicht zu bekommen.
Ein Staatsstreich samt Entführung des Staatsoberhauptes also, einzig und allein, um irgendwie doch noch an eine Friedensnobelpreismedaille zu kommen? "Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist", heißt es in der berühmten Operette "Die Fledermaus", die unzählige Male im nun zu Ende gegangenen Jubiläumsjahr von Johann Strauss aufgeführt wurde.
So wird es sein, man muss sich Donald Trump als glücklichen Menschen vorstellen.
Selbstbestimmt Leben - ein Käfer im Heu macht noch keine Jause;

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